Im Hier und Jetzt

Veröffentlicht in: Buddhismus, Persönliches | 2

Der Buddhismus lehrt uns, dass die einzige Zeit, die wir wirklich zur Verfügung haben, das Jetzt ist. Nur im Jetzt sind wir in der Lage zu fühlen und uns auszudrücken. Die Vergangenheit ist eine Erinnerung und die Zukunft eine Unbekannte. Das Hier und Jetzt ist also entscheidend.

Leider schaffen wir es nur selten – wirklich – mental im Hier und Jetzt zu sein. Nur selten nehmen wir den jetzigen Moment bewusst wahr. Weil in den meisten Fällen unser Kopf nicht frei ist. Unsere Gedanken kreisen oft in den Erinnerungen der Vergangenheit umher oder schwirren um die Ängste und Wünsche einer unbekannten Zukunft. Aber eben nur ganz selten im Jetzt.

So trauern wir beispielsweise häufig verpassten Gelegenheiten nach und stellen uns dabei viel zu oft die Frage nach dem „Was wäre, wenn“. Falls uns der Ausgang einer unserer vergangenen Aktionen nicht gefällt, ist zumeist unsere erste Reaktion: „Hätte ich mich doch nur für die andere Option entschieden, so stände ich jetzt nicht vor diesem Dilemma“. Wir hinterfragen unsere Entscheidungen in der Vergangenheit und überlegen uns ständig, wie wir uns wohl entscheiden werden würden, wenn ein gewisses Szenario irgendwann in der Zukunft einträte. Ob es überhaupt eintreffen wird, ist irrelevant. All das beschäftigt uns mehr als das Jetzt.

Wahres Glück spüren wir nur zufällig in kurzen Momenten

Ab und an schaffen wir es aber – scheinbar völlig zufällig – loszulassen. Wenn wir beispielsweise in einer Sache so vertieft sind, dass wir nicht einmal merken, wie viel Zeit vergangen ist. Oder wenn wir einfach zwanglos die Wolken beim Wandern beobachten, ohne uns von irgendwelchen Gedanken ablenken zu lassen. Oftmals merken wir dabei gar nicht, dass wir uns im Hier und Jetzt befinden. Es geht nicht darum, in diesen Momenten an nichts zu denken! Eine falsche Lehre der hippen westlichen Neuzeit-Yogis. Die Gedanken sollen frei fließen dürfen, und allein zur Ruhe kommen, ohne dass unser innerer Zustand davon beeinflusst wird. Erst dann spüren wir in unserem Inneren wahrhaftig eine vollkommene Erleichterung. Ein kurzer Augenblick des Seelenfriedens. Eine unbeschreibliche, pure Ruhe für Körper und Geist. Ein kurzer Moment des wahren Glücks. Der Moment, wo unser vergessenes Seelenleben wieder in unseren Fokus rückt.

Habt Ihr schon einmal gemerkt, dass dies bei den meisten Menschen in unserer Gesellschaft zumeist nur während des Urlaubs geschieht? Sollten wir uns nicht hinterfragen, weshalb der Fokus auf das Wesentliche (in diesem Fall: unser inneres Wohl) scheinbar nur funktioniert, wenn wir nicht mehr Teil unseres Alltags sind? Ist der hiesige gesellschaftliche Druck funktionieren zu müssen und immer produktiv zu sein, Auslöser unserer inneren Erschöpfung? Ist es nicht abstrus, dass wir uns darauf freuen im Urlaub „wieder auftanken“ zu können? Nur damit wir danach – zurück in unserem Alltag – uns scheinbar wieder auslaugen zu lassen? Wir leben anscheinend von Urlaub zu Urlaub. Damit wir im Urlaub das machen können, wonach wir bzw. unser Körper und Geist sich sehnen. Warum schaffen wir es in unserem Alltag so selten für körperliche und geistige Entspannung zu sorgen? Es ist wie an einer Sucht zu leiden. Wir wissen, dass ein solches Leben uns nicht guttut, machen aber einfach stupide so weiter wie bisher.

Aber daran sind wir NICHT selbst schuld!

Wir werden so dermaßen abgelenkt, dass wir am Ende tatsächlich daran glauben, dass wir Glück konsumieren können – sei es nun materieller Natur oder in anderen kurzen Euphorie-Schüben. Dass das „Konsum-Glück“ nicht nachhaltig ist, ist nicht von Bedeutung. Wir müssen ja einfach nur so weitermachen wie bisher, und schon bald wird das nächste „Glück“ wieder ermöglicht. Mentale und körperliche Erschöpfung nehmen wir billigend in Kauf. Durchhalten, wir haben ja bald wieder Urlaub. Warum Angst vorm Burnout haben? Es gibt doch „Fachärzte“, die helfen.

Etwas läuft gewaltig schief! In der Verfassung, in der wir uns gerade befinden, ist es nur schwer zu verstehen. Erst mit genügend Abstand zu unserem Alltag und der dortigen Reizüberflutung wird das Wesentliche eher erkannt. Das merke ich bei den vielen Reisenden, die mich nach Nepal begleitet haben oder die ich vor Ort in unserer Unterkunft in Kathmandu kennenlernen durfte. Wenn wir in Nepal miteinander sprechen, wenn sie mir von ihren Problemen und Ängsten erzählen, und wenn sie mir ihre Wünsche und Träume verraten, spüre ich, wie ein Umdenken in ihren Köpfen stattfindet. Ich spüre, wie sie mehr und mehr den Fokus aufs Wesentliche setzen. Auf das Hier und Jetzt. Das Bewusstsein für die kleinen Dinge des Lebens ist zurück. Und sie erkennen selbst, welch großes Wissen ihnen unmittelbar gekommen ist.

Sie sprechen davon nach ihrem Urlaub kürzer treten zu wollen. Bewusster zu leben. Die innere Ruhe mitnehmen zu wollen. Sie kündigen Änderungen in ihren Denken und Handeln an. Verkünden stolz von den neuen Möglichkeiten, die sich ihnen dadurch ergeben. Freuen sich darauf, etwas anzufangen, was sie selbst auch wirklich machen möchten. Bedeutsam sein, etwas für andere Menschen bewirken, glücklich sein. Mit dem Wissen um einen „neuen“ Sinn in ihrem Leben reisen sie aus Nepal ab.

Immer nur ein sehr kurzer Ausflug ins Hier und Jetzt

Der Mensch vergisst sehr schnell. Sei es nun nach einer Naturkatastrophe, nach einer Tragödie oder nach großen Skandalen. Menschen echauffieren sich, verleihen ihren Unmut Luft, gehen auf die Straße und ändern ihr Verhalten. All das immer nur für eine kurze Zeit. Dann kehrt der Großteil der Menschen wieder in ihren Alltag zurück, als wäre nichts gewesen. Veränderungen, die die eigene Lebensweise auf lange Sicht betreffen, will man lieber nicht eingehen. Es ist eben einfacher so.

Auch die meisten Reisenden können (oder wollen) die Erkenntnisse, die sie in Nepal für sich selbst erlangt haben, nicht in ihrem Alltag umsetzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob jung oder alt; ob männlich oder weiblich; ob alleinstehend oder mit Familie. Früher oder später kehren sie in die Alltagsmaschinerie zurück, weil es so verdammt schwer ist, es nicht zu tun. Alles, was wir dazu bräuchten, ist nur ein wenig Mut.


Buch-Empfehlung

Wahres Glück kann man überall erlernen. Ob in unserer schnelllebigen Gesellschaft oder in einem verborgenen Kloster im tiefsten Himalaya. Man muss zunächst verstehen, was wahres Glück wirklich ist. In unserem Verständnis verwechseln wir Glück oftmals mit Freude. Aber wahres Glück ist keine Emotion, sondern ein innerer Zustand.

Für diejenigen unter euch, die nicht auf meinen nächsten Eintrag über das Glück warten möchten, denen kann ich das Buch „Glück“ von Matthieu Ricard wärmstens ans Herz legen. „Matthieu Ricard arbeitete als Forscher auf dem Gebiet der Molekularbiologie, ehe er seine Berufung zum Buddhismus erkannte. Seit 25 Jahren lebt er als buddhistischer Mönch in den tibetischen Klöstern des Himalaya. Er übersetzt Werke aus dem Tibetischen und ist der offizielle Französischübersetzer des Dalai Lama.“ (Quelle: Produktinformation bei Amazon).

»Glück ist kein Zufall, sondern jeder kann es erlernen«, meint Matthieu Ricard. Es entsteht, wissenschaftlich messbar, aus einem inneren Gleichgewicht von Körper und Geist. Es ist das Resultat eines Reifungsprozesses, der ganz allein von jedem Menschen selbst abhängt. Dazu gehört auch, sich von der Macht negativer Emotionen wie Hass, Neid, Verlangen und Ich-Bezogenheit zu befreien und sich stattdessen von Mitgefühl, Demut und Güte leiten zu lassen, um im Einklang mit sich und der Welt zu leben. Dieser innere Zustand, der nicht von äußeren Umständen abhängig ist, ist der Schlüssel zu lebenslangem, tief empfundenem Glück.

Kleine Übungen und Meditationsanleitungen am Ende eines jeden Kapitels weisen einen klaren Weg zu einem glücklicheren Leben.

aus der Beschreibung bei Amazon

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Folge uns Khai-Thai:

Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

Neueste Beiträge von

2 Antworten

  1. Harry Peck

    Hallo khai…
    du hast mit deinem neuestem Post..so recht ….bei mir musste auch erst was schlimmes passieren…..das ich umdenke….
    ich hatte einen Herzinfarkt und plötzlich würde mir bewusst…..ich möchte so nicht weitermachen……konsumieren….rennen….. schaffen …hetzen….
    ich arbeite dran….das alles zu ändern…….weist du was das schlimmste war???
    ich hatte echt viele vermeintliche Freunde…..als ich sie nötig hatte ..war keiner da…..glaube mir khai…ich hatte Angst um mich…..und keiner war da…….
    ich brauchte jetzt 3 wochen…..bin in mich gegangen……jetzt bin ich soweit….ich denke bis ich von dieser Welt gehe….an mich ….an meine seele….ich habe einen neuen Job……weniger Geld aber das ist mir egal……ich mache jetzt yoga….meditiere……und kaufe nur das was ich brauche…
    trotzdem habe ich oft Angst das ich von meinem guten Weg ankomme.. es nicht schaffe ein besserer meñsch zu werden…….lieben Gruss an dich dein harry

    • Khai-Thai

      Hallo Harry, tut mir leid von deinem gesundheitlichen Zustand zu hören. Ich hoffe, dass es dir besser geht. Ja, das „konsumieren, rennen, schaffen, hetzen“ ist wesentlicher Bestandteil unseres Denkens… Solange es gut geht, ist scheinbar alles in Ordnung. Aber es ist eben ein sehr wackeliges Konstrukt…
      Ich freue mich, dass du deine Gesundheit (mental und physisch) mehr in den Fokus setzt, und versuchst ein entschleunigteres Leben zu führen. Es ist wirklich nicht so einfach. Vor allem, wenn vermeintliche Freunde erst nicht da sind, und nun alles besser wissen. Bleib stark. Du bist auf dem richtigen Weg. Gute Besserung!
      Khai-Thai

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