Alles beim Alten und dennoch ist nichts mehr gleich

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Meine 13. Nepal-Reise neigt sich so langsam dem Ende und das ist auch gut so. Ich bin unendlich müde und total erkältet. Mein Körper gibt so langsam auf. Zum ersten Mal bin ich einfach nur froh wieder nach Hause zu können. Aber nicht wegen meiner körperlichen Verfassung. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich krank in Nepal bin. Es ist meine seelische Verfassung, die mir zu schaffen macht. Ich bin froh wieder nach Hause zu können, weil ich nicht weiß, was ich dieses Mal hier in Nepal sollte. Kein Hilfsprojekt, keine Veranstaltungen, keine Besuche. Der ursprüngliche Plan war es zu reisen gewesen, doch meistens kommt es eben anders als geplant.

Zeit auf der Dachterrasse verbringen

Meine Befürchtungen vor meiner Abreise haben sich leider bestätigt. Größtenteils planlos sitze ich in unserer Unterkunft herum und fühle mich meiner Begeisterung beraubt. Noch nie habe ich in Nepal so viel Zeit zu Hause und auf der Dachterrasse verbracht. Alles nur, weil ich meinen Kopf nicht frei habe. Meine Gedanken kreisen wild herum und ziehen alle auf die Frage hin, wie und wann das nächste Mal Nepal wohl sein wird. Vor meinem inneren Auge sehe ich nämlich keine Bilder von mir und dem zukünftigen Nepal. Und das macht mir Angst.

Nepal ist nicht mehr das gleiche – zumindest aktuell nicht

Seit meiner letzten Reise vor einem halben Jahr hat sich in Nepal nicht viel verändert. Fast schon gar nichts würde ich sogar sagen. Aber das will ja keiner hören. Auf den Straßen herrscht noch immer dasselbe Chaos, derselbe Staub, derselbe Gestank. Überall liegen Schutt und Geröll herum, Schlaglöcher und Matsch inklusive. Bauvorhaben sind seit Jahren noch immer nicht fertiggestellt. In Kathmandu ist also alles beim Alten. Und dennoch ist für mich nichts mehr gleich. Denn ich bin davon extrem genervt. Mehr als jemals zuvor.

Nepal ist farblos geworden.
Nepal ist farblos geworden.

Noch immer ist Nepal Farbe. Farbenfroh für die Augen, für die Nase und für die Ohren. Doch das, was ich aktuell sehe, rieche und höre, ist einfach nur farblos. Habe ich nun einen anderen Blick auf Nepal?

Wie immer wohne ich in der tollen Unterkunft von Rajeev und Vishal. Doch zum ersten Mal fühle ich mich nur auf der Dachterrasse wohl. Habe ich dieses Mal da oben mehr Zeit verbracht als anderswo?

Wie immer sind in unserer Unterkunft super nette und interessierte Gäste untergebracht. Doch zum ersten Mal habe ich keine Lust ihnen mein-Nepal zu zeigen. Habe ich aktuell selbst überhaupt Lust mein-Nepal zu sehen?

Wie immer fängt der Hund unserer Nachbarn bereits um 5 Uhr früh an zu bellen. Doch zum ersten Mal macht mir der Lärm etwas aus. Habe ich seit meiner Ankunft überhaupt mehr als fünf Stunden pro Nacht schlafen können?

Wie immer sind es viele Eindrücke, die mir auf den Straßen begegnen. Doch zum ersten Mal rauscht an mir alles vorbei, ohne große Erinnerungen zu hinterlassen. Habe ich mich jemals in Nepal in solch einem Tunnel befunden?

Alles beim alten - Doch nichts ist gleich.
Alles beim alten – Doch nichts ist gleich.

Wie immer trage ich stets meine Kamera mit mir mit. Doch zum ersten Mal mache ich kaum Bilder. Habe ich während meiner aktuellen Reise überhaupt zehn Fotos geschossen?

Wie immer möchten mich viele meiner nepalesischen Freunde zu sich einladen. Doch zum ersten Mal habe ich keine Lust darauf. Habe ich abgesehen von meinen beiden Schwestern Puja und Tashi sowie unseren Patenkindern überhaupt jemanden anderes getroffen?

Wie immer trage ich die gesamte Last meines Hilfsvereins hamromaya Nepal e.V. alleine. Doch zum ersten Mal sehe ich diese Last als Belastung. Habe ich noch die Leidenschaft für diese Aufgabe?

Wie immer vergeht die Zeit in Nepal wie im Flug. Doch zum ersten Mal bin ich richtig dankbar dafür. Habe ich mich jemals auf einen Nepal-Abschied so sehr gefreut wie jetzt?

Wie immer möchten alle wissen, wann ich wieder nach Nepal komme. Doch zum ersten Mal gebe ich kein Versprechen, wann denn dieser Zeitpunkt sein wird. Habe ich überhaupt selbst eine Ahnung, wann dieser Zeitpunkt kommen wird?

Vielleicht ist es die Müdigkeit, die aus mir spricht…

Seit meiner Ankunft in Nepal habe ich nämlich nicht mehr als 5 Stunden pro Nacht schlafen können. An manchen Nächten sogar deutlich weniger. Der Lärm und vor allem das unaufhörliche Bellen des Nachbarhundes raubt mir den Schlaf. Ich bin so unfassbar müde.

Es ist das erste Mal, dass ich in Nepal solche Schwierigkeiten habe. Eigentlich müsste ich schon an all dem gewöhnt sein. Aber aktuell kommt so viel zusammen, dass ich das alles nicht ausblenden kann. Seit einigen Monaten leide ich bereits an einem sehr unruhigen Schlaf. Kurz vor Nepal wurde es zwar besser. In Nepal habe ich allerdings seit Wochen einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ich bin so müde. Ich will doch einfach nur schlafen….


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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

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