Gott sei Dank keine Hamsterkäufe bei Schokolade!

Veröffentlicht in: Alltagsgeschichten, Erinnerungen | 0

Meine 16.Nepal-Reise steht kurz bevor und wie immer wird mindestens mein halber Koffer aus Sachspenden bestehen. Einerseits sind dies oftmals Klamotten, andererseits – und davon profitiere ich mehr – Schokolade und Süßigkeiten.

In Nepal teilen die Beschenkten nämlich gerne ihre Geschenke und wenn ich nicht mitnasche, gelte ich als unhöflich. So jedenfalls meine Theorie. Könnte aber durchaus sein, dass ich mir sie zu meinen Gunsten etwas zurecht gelegt habe…

Da trifft es sich ganz gut, dass einige Fluggesellschaften bis zu 30KG Gepäck erlauben 😉

Schokolade und Süßigkeiten sind ein super Mitbringsel für Freunde in Nepal.
Jeder freut sich über Süßigkeiten aus Deutschland.

Als ich also am vergangenen Samstag meine letzten Einkäufe tätigte, begegneten mich im Supermarkt ein paar leere Regale. Konservendosen, Nudeln, Aufbackbrötchen – fast alles war weg. „Corona-Virus“ sei Dank. Wobei eigentlich „Corana-Virus“ ja irreführend ist, weil eine stinknormale Grippe ja auch von Corona Viren ausgelöst wird. Aber das ist eine andere Geschichte…

Ich werde von zwei streitenden Frauen aus meinen Schokoladen-Träumen gerissen. Es geht um die letzten verbliebenen Nudeln. Die eine füllte alle restlichen Packungen in ihren Einkaufswagen. Die andere echauffierte sich darüber. Sie wolle zwei Packungen. Und da wir in einer Welt voller kleiner und großer Pulverfässer leben, eskalierte die Situation sofort.

Leere Regale in Supermäkrten wegen Corona-Virus. Hamsterkäufe...
Das ist zum Glück nur ein Beispielbild…

Menschen sind, wie sie sind. Damit habe ich mich abgefunden. Es hätte mich vielmehr überrascht, wenn die erste Dame tatsächlich zwei Packungen abgegeben hätte. Also setzte ich meinen Weg fort und ließ die Damen ihrer „Nächstenliebe“ freien Lauf.


Wo ist das Miteinander geblieben?

Eine Afghanin, vielleicht Ende 40, sprach mich an. Bestimmt hatte sie mein Kopfschütteln bemerkt. „Traurig“, sagte sie nur. Wir kamen in ein kurzes Gespräch. Die leeren Regale erinnern sie an die Zeit des Bürgerkriegs. Damals habe es in Afghanistan kaum noch etwas zu essen gegeben. Aber dennoch konnten sie überleben, weil in der Nachbarschaft, in der Gemeinde geteilt wurde. Hier in Deutschland müsse man beten, um etwas geteilt zu bekommen. „In Deutschland kümmern sich die Afghanen um die Afghanen, die Deutschen um die Deutschen, die Türken um die Türken… Es gibt kaum ein Miteinander, obwohl wir doch alle Deutsche sind.“

Ihre Erzählung erinnerte mich an viele Momente in Nepal. Zu Beginn meines Nepal-Abenteuers im Jahr 2011/2012 gab es unzählige Protestaktionen, Demonstrationen und Generalstreiks, die den Alltag völlig zum Stehen brachten. In den Tagen nach dem großen Erdbeben im Jahr 2015 gab es weder Strom noch fließend Wasser. Die Wochen danach waren von Lebensmittelknappheit bestimmt. Anfang 2016 spitze sich eine ökonomische Blockade im Süden zu, was besonders zu einer Knappheit an Lebensmitteln, Gas und Benzin führte. Was diese schwierigen Situationen gemeinsam hatten – und daran erinnere ich mich gut – war der Zusammenhalt in Nepal. Egal welche Nationalität, egal welche ethnische Gruppierung. Es wurde mit Menschen, die Hilfe benötigten, ALLES geteilt.

Ein paar Tage nach dem großen Beben im April 2015.
Ein paar Tage nach dem großen Beben im April 2015.

Ob das so sein wird, wenn hier bei uns eine echte Katastrophe ausbricht?


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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

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