Hoffnung auf Veränderung: Nepal Wahlen 2013

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Am 19.11.2013 war es dann endlich soweit – Nepal hat gewählt.
Die zweite Wahl nach dem Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2006 rief 12,5 Millionen Nepalesen und einen Jimmy Carter zu den Urnen.

Bei einer Einwohnerzahl von etwa 30 Millionen Menschen sind also nur gut 1/3 zur Wahl zugelassen? Hmmm… In Deutschland waren es um die 3/4 der Bevölkerung…

Dennoch ist die Wahl ein weiterer Schritt zur Festigung der Demokratie und hoffentlich der Startschuss zu besseren Zeiten. Wirtschaftlich gesehen, gehört Nepal zu eines der ärmsten Länder der Welt. Es gehört – mit den Worten von Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier – zur „Untersten Milliarde“.
In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er, warum die ärmsten Länder der Erde scheitern und was man dagegen tun kann.

Ein stabiles politisches System gehört sicherlich auch zu den vielen miteinander vernetzten Faktoren, die Entwicklung erst ermöglichen. Und Entwicklung wird in Nepal dringend benötigt.
Laut dem vom United Nations Development Program (UNDP) berechneten HDI von 2012 (Human Development Index) rangiert Nepal auf einem erschreckenden 157. Rang (von 195).
Schlechter dran sind nur noch Staaten in Sub-Sahara-Afrika und der Krisenherd Afghanistan.
Dabei ist der HDI eine Kenngröße für die menschliche Entwicklung eines Staates. Der Indikator berücksichtigt nicht nur das Bruttonationaleinkommen pro Kopf, sondern ebenso die Lebenserwartung und den Bildungsgrad.

Nepals erhofft sich von den Wahlen entwicklungspolitische Veränderungen. (Foto: Elisabeth Gruber)
Nepals erhofft sich von den Wahlen entwicklungspolitische Veränderungen. (Foto: Elisabeth Gruber)

Laut der „Deutschen Welle“ (DW.de) können etwa 50 Prozent der Erwachsenen in Nepal weder lesen noch schreiben. Sie müssen sich sogar mit einem jährlichen Durchschnitts-Pro-Kopf-Einkommen von nur 388 US-Dollar durchschlagen. Auch in Nepal geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. 🙁

Ob die zweiten Wahlen den erhofften Fortschritt bringen, mag doch bezweifelt werden.
Das politische Chaos in den letzten Jahren, in denen auch das Parlament schon einmal aufgelöst wurde, haben das Vertrauen der Nepalesen in die Politik erschüttert.
Noch immer gibt es keine rechtskräftige Verfassung. Diese sollte eigentlich schon während meines ersten Nepal-Aufenthaltes im September 2011 ausgearbeitet worden sein – denkste… 😉

In Nepal fällt der Unterricht of wegen diversen Gründen aus.
Streiks stehen in Nepal an der Tagesordnung und lähmen den Alltag. (Foto: Khai-Thai Duong / mein-Nepal.de)

Die Interessenskonflikte der verschiedenen politischen (Splitter-)Gruppierungen sind zu groß. Jeder weiß, dass sobald die Verfassung erst einmal in Kraft getreten ist, diese nur schwer umzurütteln ist. So muss also jetzt alles mögliche getan werden, um seine eigenen Interessen in der Verfassung vertreten zu sehen.
Alles mögliche tun, heißt in Nepal einfach nichts tun: Streiks sind an der Tagesordnung und treffen die einfache Bevölkerung härter als diejenigen, die die Gesetze ausarbeiten. Das Faszinierende dabei ist, dass unabhängig welche Partei zum Streik aufruft, ALLE Parteien mitmachen – wenigstens sind sie sich in einem Punkt einig…

Bei der Wahl vor wenigen Tagen dürfen sich die Maoisten, die die erste Wahl 2008 schon für sich entschieden hatten, die größten Hoffnungen auf eine Mehrheit im Parlament machen.
Viele Beobachter und kleineren Parteien sehen die Wahl als eine Farce, da – trotz totalen Scheiterns bei der damaligen Entwicklung der Verfassung – die größten Parteien nahezu dieselben Spitzenkandidaten ins Rennen schickten. Veränderung sieht anders aus 🙁

Die heftigen Auseinandersetzungen der politischen Gruppierungen und das Blockieren von Gesetzesentwürfen sind also schon mehr als sicher vorprogrammiert.
Da hilft es auch nichts, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eindringlich an Regierung und Parteien appelliert hatte, die Wahlen friedlich abzuhalten.
Eine Bombe vor einem Wahllokal detonierte und verletzte drei Menschen…

Unter den wachsamen Augen von Ex-US-Präsident Jimmy Carter wurden die Stimmen der Nepalesen abgegeben. Ein wichtiges Signal – auch an die Außenwelt – um auf die politische Lage in Nepal aufmerksam zu machen.

Denn hinter dem Vorhang des Himalaya sieht das Dach der Welt schon ganz anders aus!

Verfolgen Khai-Thai:

Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

4 Responses

  1. Snowland

    Hi Lara,
    vielen Dank für das positive Feedback! 🙂
    Hmmm also wenn du offizielle Daten bzw. Wirtschaftszahlen brauchst, kannst du dir die Datenbanken der WorldBank oder IMF oder von UN-Organisationen anschauen.
    Suchst du aber etwas „handfesteres“ als Wikipedia über Kultur, Religion, Menschen etc. kann ich dir den Lonely-Planet-Reiseführer empfehlen.
    Vielleicht ist etwas hilfreiches für dich auf deren Homepage dabei: http://www.lonelyplanet.de/reiseziele/nepal/
    LG Khai

  2. warumgehendieganzenbenutzernamennicht

    danke für die klasse info. so kompakt habe ich es nirgends gefunden.
    ich schreibe eine facharbeit über nepal und habe durch deinen bericht einen guten überblick erhalte.
    wenn du noch andere gute seiten zum thema nepal kennst, könntest du mir die vielleicht zusenden? 🙂
    liebe grüße, lara

  3. Cecilia

    Danke für die guten Informationen. Denn wenn man sieht was so in den Nachrichten kommt kann man damit eigentlich gar nichts mit anfangen. Dieser Thread von Dir war jedenfalls sehr gut verständlich und hat einem ein Bild von dem gegeben was wirklich abgeht. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter qwer.com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog.

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