3 Dinge, die Nepal wirklich ausmachen, über die aber keiner redet…

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Es ist faszinierend, wie wir Menschen in der Lage sind, etwas so zu verzerren, bis wir daran glauben, dass das, was wir selbst durch die Verzerrung kreiert haben, auch die authentische Realität entspricht. Das gilt übrigens nicht nur im Bezug auf Nepal, das von außen nur den Himalaya und den Buddhismus zugeschrieben bekommt.

Besseres Beispiel ist „unser“ Yoga. Immer mehr Menschen reisen nach Nepal/Indien, um einmal Yoga in seinem Ursprungsland gemacht zu haben. Weil es nur dort authentisch sei… Kleiner Haken: Yoga – so wie wir es aus der westlichen Welt kennen – ist eben kein „großes Ding“ im südasiatischen Raum. Yoga-Studios in Nepal werden nämlich fast ausschließlich nur von ausländischen Touristen besucht. Sie werden zumeist auch nur von ausländischen(!!!) Yoga-Lehrern geleitet, die ein sehr lukratives Geschäft wittern…

Lange Rede, kurzer Sinn. Wir machen oft eine Sache zu etwas, was sie eigentlich nicht ist, und erwarten dann von ihr, dass so ihre Realität auszusehen hat. Andernfalls sind wir nicht interessiert.

Yoga in unserem westlichen Verständnis hat keinerlei Bedeutung in Nepal.
Yoga in unserem westlichen Verständnis hat keinerlei bedeutenden Stellenwert in Nepal.

Was macht für Nepalesen Nepal aus?

Meine nepalesischen Freunde Rajeev und Vishal, mit denen ich schon seit Jahren zusammenarbeite, haben nun in ihrem Blog 3 Dinge veröffentlicht, die Nepal wirklich ausmachen, über die aber niemand spricht. Ich habe mir mal die Freiheit genommen, ihren Text für Euch zu übersetzen 🙂


Rajeev und Vishal schreiben:

Wir fühlen uns gesegnet, in Nepal geboren und aufgewachsen zu sein. Denn nur dadurch konnten wir erst den Alltag in einem Land, in dem verschiedenste Kulturen und Traditionen miteinander verschmelzen, aus erster Hand erleben. Wir haben eine Insider-Perspektive in die vielschichtigen Nuancen des „Nepal-Seins“ gewinnen können, das eher einem Geisteszustand gleicht, als eine phyische Eigenschaft.

Das ist nun unser kleiner Versuch zu zeigen, dass der Himalaya und der Buddhismus nicht die wesentlichen Dinge sind, die Nepal formen!

Höre auf die, die in Nepal geboren sind und nicht auf ausländische Reiseagenturen 😉

Nachdem du diesen Beitrag gelesen hast, werden dir hoffentlich viel mehr Dinge in den Sinn kommen, wenn du „Nepal“ hörst. Und vielleicht wirst du dann auch bald das echte, authentische Nepal erleben können, in dem wir tagein, tagaus leben.


1. Das Essen

Jede Kultur gibt dem Essen einen besonderen Stellenwert. Wir essen, also sind wir. In Nepal verstehen wir diese Redewendung äußerst gut. Tatsächlich nehmen wir es wohl ein wenig zu wörtlich. Wenn in anderen Ländern der Welt jede Konversation mit einem beiläufigen „Wie geht es dir?“ beginnt, so ist das Pendant in Nepal „Khana khayo?“, was übersetzt „Hast du schon gegessen?“ bedeutet.

Wir fragen unseren Gegenüber, weil wir uns um ihn sorgen. Unsere Kultur versteht Essen als Freude und Glück, das gleichermaßen für unser Wohlbefinden sorgt. Essen ist der Inbegriff unserer Kultur. Und dennoch wird unserem Essen leider nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die nepalesische Küche wird von westlichen Reiseveranstaltern nur wenig beworben, obwohl unser Essen unsere Identität eigentlich am ehesten definiert.

„MoMo“ und „Dal Bhat“ stehen für alle Touristen als Synonym für die nepalesische Küche. Aber das Essen in Nepal ist so viel mehr als nur diese beiden Gerichte!

Die nepalesische Küche ist von China, Indien und Tibet stark beeinflusst. Allerdings ist die moderate Zusammenstellung das Mantra der nepalesischen Gerichte. Wir haben unsere eigenen kleinen Kniffe und Tricks hinzugefügt, um die Speisen letztendlich unsereins nennen zu können. Wenn man so will, haben wir einen wesentlichen Bestandteil des „Nepal-Seins“ zum Essen beigefügt.

Dal Bhat ist das bekannte Nationalgericht in Nepal.

Habt ihr zum Beispiel schon einmal die überwältigende Newari-Küche probiert? Reich und mannigfaltig im Geschmack, Textur und Aroma. Dies ist wahrscheinlich eine der wenigen Küchen der Welt, die unter anderem damit prahlt, mindestens 20 verschiedene Gerichte aus einzig Wasserbüffel zu haben!! Der Newari Küche fehlt es definitiv nicht an Phantasie. Von herzhaft bis süß, von sauer bis scharf ist für jeden Gaumen etwas dabei. Natürlich gibt es auch noch die „erdige“ Tharu-Küche, deren tiefen Wurzeln im Herzen des Terais liegt. Die Tharu-Küche ist ein entfernter „Cousin“ der französischen Küche, genießen beide Schnecken als Delikatesse. Dann gibt es noch die überreiche Thakali-Küche, die aus den Vollen des Mittelgebirges und dem südlichen Terai schöpfen kann. Und für diejenigen von euch, die etwas mehr erkunden möchten, gibt es auch noch die kaum bekannte Kirant-Küche, die im tiefen Osten Nepals beheimatet ist.


2. Die Menschen

Nachdem wir bereits in einigen Ecken und Winkeln unseres Heimatlandes unterwegs waren, sind wir mehr denn je von den Menschen Nepals beeindruckt, die größtenteils friedlich zusammenleben und täglich mit ihrer rauen Umwelt und der immensen ethnischen Vielfalt des Landes konfrontiert werden. Wir schätzen uns glücklich, dieses wunderschöne und bunte ethnische Mosaik wahrnehmen zu dürfen. Von der Himalaya-Hochebene bis hin zum südlichen Flachland ist die „Stammeszugehörigkeit“ faszinierend!

Vieles wurde bereits über die kulturelle Diversität Nepals geschrieben. Daher möchten wir euch nicht mit irgendwelchen demographischen Merkmalen und Statistiken langweilen.

Es ist das Gefühl, das einen in den Straßen Nepals begegnet. Überall trifft man auf den Charme der Einfachheit und die Ehrlichkeit der Nepalesen. Du wirst mit einem strahlenden Lächeln begrüßt, egal wo du dich im Land befindest. Ein freudiges „Namaste“ wird dein ständiger Begleiter sein, der das Göttliche in dir grüßt.

Toleranz ist die zweitwichtigste Religion in Nepal! Wenn es um religiöse Glaubensrichtungen geht, sind Nepalesen sehr flexibel, pragmatisch und – am wichtigsten – tolerant! Ein Hindu wird sich immer aus Respekt verbeugen, wenn er eine buddhistische Tempelanlage passiert. Geduld und ein guter Sinn für Humor sind Werte, die Nepalesen in sich tragen. Wir sind schnell darin, ein Lächeln zu schenken, aber auch mindestens genauso schnell Mut zum Kampf zu zeigen. Nepalesen sind in der Welt berüchtigt für ihren Kampfesmut. Die Geschichten von Mut und Tapferkeit der Nepalesen hallen in anderen Ländern weit nach.


3. Die Musik & Festivals

Nepal ist das Land der Festlichkeiten. Kaum ein Tag vergeht, in dem es nicht irgendetwas zu feiern gibt. Wir haben Festivals für Kühe. Wir haben ein Festival für Hunde, Festivals für Krähen, Schlangen, Frösche und nicht zu vergessen: die Festivals für Farben und Licht.

Nepalesen wissen wie man feiert. Jedes Aspekt der Natur und des Lebens ist Teil unserer Kultur und unserer Festlichkeit. Da wir eine große ethnische Vielfalt im Land haben, überrascht es nicht, dass auch das musikalische Erbe genauso vielfältig und reichhaltig ist.

Die Musik aus den hohen Bergregionen bezaubert uns mit ihren tiefen, langen Tönen, während die Musik im Süden freudiger und voller, reicher Rhythmen ist.

Das echte Nepal - 3 Dinge, die Nepal wirklich ausmachen, über die aber keiner redet.
Das echte Nepal – 3 Dinge, die Nepal wirklich ausmachen, über die aber keiner redet.

Die klassische fernöstliche Musik hat tiefe Wurzeln im Kathmandu-Tal, wo es während der mittelalterlichen Zeit in den Durbars der Mahajaras blühte und gedeihte. Die devoten Hymnen zur Lobpreisung der abermillionen Gottheiten, die durch Tempel- und Palastanlagen hallen, sind perfekt im Einklang in den klassischen Ragas gestimmt. Die klassische Musik in Nepal ist besinnlich und gedankenvoll, bestens in der Lage uns in einen meditativen Zustand zu bringen.


Macht euch bereit, das wahre Nepal kennenzulernen!

Reist nach Nepal und lernt die Schönheit unseres Landes kennen. Vergesst alles, was ihr von Reiseagenturen gehört habt. Denn die suggerieren euch nur eine künstliche Nepal Blase. Natürlich gehören Himalaya und Buddhismus zu Nepal. Allerdings sind sie nur kleiner Bestandteil einer vielfältigen Kultur. Tatsächlich folgen in Nepal noch nicht einmal 10% der Bevölkerung dem Buddhismus!

Reist nach Nepal und entdeckt das echte Nepal. Aber nicht, um das zu sehen, worin ihr glaubt, dass es Nepal ist. Denn ansonsten werdet ihr so viel verpassen – den Geschmack, die Töne, die Freundlichkeit und diese einzigartige Aura, die unser wunderschönes Land umgibt. Macht euch bereit, die Menschen, die Musik und das Essen in Nepal kennenzulernen 🙂

Mehr Informationen gibt es auf Asha Travel.


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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

  1. Martina Geisler

    Da stimme ich Dir zu. Man kann ein Land nicht von „aussen“ erleben. Das ist so wie der Urlauber der nur in der Hotelanlage mit Clubcharakter bleibt um hinterher zu urteilen: Also so schön ist das Land nun auch nicht:-)

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