Starkes Nachbeben mitten in Kathmandu (22.07.15)

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Gestern Abend um ca. 22.15h Ortszeit schockte ein stärkeres Nachbeben wieder einmal die Menschen in Kathmandu und zwang viele von ihnen die Nacht wieder im Freien zu verbringen. Die Erinnerungen an das schreckliche Erdbeben vom 25. April 2015 sitzen bei vielen – verständlicherweise – noch tief. Das Ausmaß der Katastrophe ist – vor allem in den Dörfern Nepals – noch immer zu spüren. Noch immer kommt es zu fast täglichen (!) Nachbeben. Ein Zustand, der bereits fast drei Monate anhält. Schon lange ist aber wieder eine gewisse „Normalität“ ins Leben zurückgekehrt, wenngleich die Stimmung noch angespannt ist. Die täglichen Nachbeben gehören schon zum Alltag dazu – bis auf das von gestern Nacht.

Epizentrum in Kathmandu bringt Ängste zurück

Obwohl das gestrige Nachbeben bei weitem nicht die Stärke vom Hauptbeben im April (7,8 auf der Richterskala) erreichte, war es für viele Bewohner der Hauptstadt ein Grund zur großen Sorge. Denn lange hatte es in Kathmandu nicht so heftig gebebt. 5,1 auf der Richterskala sollen es nach ersten Angaben gewesen sein. Offizielle Behörden schraubten den Wert allerdings auf 4,6 herunter (National Seismological Centre). Da das Epizentrum sich im südlichen Teil von Kathmandu erstreckte, war das Nachbeben in der Hauptstadt massiv zu spüren.

Zum Vergleich: Ein Nachbeben einen Tag zuvor vom 21.07.15 hatte die Stärke 4,3 auf der Richterskala. Das Epizentrum war dabei allerdings so weit von Kathmandu entfernt, dass in der Hauptstadt nur ganz leichte Schwankungen zu spüren waren – wenn überhaupt.

Wo bleibt die Berichterstattung?!

Unmittelbar nach dem verheerenden Erdbeben am 25. April 2015 gingen die Bilder des Ausmaßes der schrecklichen Naturkatastrophe um die Welt. In den Medien herrschte weltweit die nächsten Wochen nur ein Thema. Täglich wurden mehr Schreckensmeldungen verbreitet. Viele von ihnen aus den Haaren herbei gezogen. Denn da ich mich die unmittelbaren Tage nach dem heftigen Beben noch in Nepal befand, wusste ich, dass die Nachrichtenmeldungen größtenteils schlicht und weg falsch waren. Noch in Nepal bekam ich schnell das Gefühl, dass eine Schreckensmeldung nach der anderen nur folgte, um die Einschaltquoten hochzuhalten. Natürlich halfen solche Meldungen dabei, Spenden zu generieren. Doch sie vermittelten ein falsches Bild von Nepal – ein Bild von einem Land, das im Chaos versinkt; ein Bild von einer Hauptstadt, die komplett zerstört sei. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir an den Abenden in Nepal immer zusammen saßen und die Medien für ihre Panikmache kritisierten.

Am ersten Tag nach der Katastrophe hieß es, dass die Hauptstadt komplett zerstört sei… Daraufhin soll laut Medien die Infrastruktur (Strom, Wasser, Internet) vollkommen zusammengebrochen sein… Dann hieß es, dass Wasser und Nahrung knapp werden… Plünderungen haben angeblich begonnen… Dann wurde kritisiert, dass keine Hilfsgüter nach Nepal eingeflogen werden konnten (ähm… das lag daran, dass der kleine Flughafen von Kathmandu mit Passagiermaschinen voll besetzt war, weil die internationalen Botschaften, lieber ihre Touristen ausfliegen lassen wollten, als Hilfsgüter ins Land zu lassen)… Dann wurde von Seuchen gesprochen, weil in Kathmandu überall noch Leichen lagen…

Tja, und irgendwann gehen dann auch die Geschichten aus. Und so schnell das Erdbeben in den Medien aufgegriffen wurde, umso schneller war es wieder weg. Mal Hand aufs Herz, wann war das letzte Mal, als ihr eine offizielle Berichterstattung aus Nepal in den Medien mitbekamt? Wusstet ihr, dass es tägliche Nachbeben gibt – und das schon seit drei Monaten? Ich frage mich echt, wo die ganze Berichterstattung bleibt?

Muss das Land wieder in Trümmern liegen, damit sich die westliche Gesellschaft wieder dafür interessiert, was in Nepal aktuell passiert? 🙁

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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

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