6 Dinge, die ich während meiner 14.Nepal-Reise gelernt habe…

Eingetragen bei: Erinnerungen, Geschichten aus Nepal | 2

Seit ziemlich genau einer Woche bin ich schon wieder in Deutschland. Und irgendwie steckt mir Nepal noch etwas in den Knochen. Dabei war es im Februar/März doch schon meine 14.Nepal-Reise gewesen. Einen ganzen Monat habe ich dort verbracht, ehe ich mit einer unfreiwilligen Übernachtung in Istanbul wieder in den deutschen Alltag zurückgeschleudert wurde. Es ist nicht so, dass ich Nepal gerade so sehr vermisse, dass ich unbedingt in den nächsten Flieger steigen muss. Das Hin- und Herreisen ist in all den Jahren zur Routine geworden.

Doch verrückterweise verfolgt mich aktuell in meinen Träumen die Abreise aus Nepal! Es ist schon die dritte Nacht hintereinander, in der ich träumte, meinen Rückflug nach Deutschland zu verpassen. Warum? Keine Ahnung! Mein Unterbewusstsein sucht sich die Träume aus, nicht ich. Etwas gekränkt bin ich aber schon. Als ob ich die Botschaften aus abstrakteren Träume nicht verstehe könnte. Subtiler hätte mein Unterbewusstsein nicht vorgehen können. Fehlt nur noch, dass es irgendwann im Traum vor mir erscheint, kopfschüttelnd und fast schon entschuldigend: „Tut mir leid, Khai-Thai. Ich muss meine Botschaften so einfach halten. Sonst verstehst du es nicht. Du bist nämlich nicht gerade der hellste Stern im…“. OK! Ich hab’s verstanden. Man muss ja nicht gleich persönlich werden…

6 wichtige Dinge, die ich während dieser Reise gelernt habe

Für mich bleibt Nepal weiterhin ungemein spannend. Seit 2011 besuche ich das Land regelmäßig und lerne immer wieder neues dazu. Vieles betrifft dabei die Kultur, die Religion und die Strukturen des Landes. Das verdanke ich meinen beiden Freunden Rajeev und Vishal, die „mein Zuhause“ in Kathmandu leiten. Aber auch der nepalesische Alltag versteht mich zu überraschen, sodass ein Nepal-Aufenthalt nie langweilig wird.

Um meinem Unterbewusstsein nicht die Genugtuung zu geben, mich in meinen Träumen weiter beleidigen zu können, „verarbeite“ ich nun (für Euch) sechs wichtige Dinge, dich ich während meiner letzten Reise gelernt habe.

    1. Auch alte Mönche können kräftig schubsen…

      Die beliebte Aussichtsplattform auf Swayambhu.
      Die beliebte Aussichtsplattform auf Swayambhu.

      Auf der Tempelanlage Swayambhunath findet man nicht nur viele Affen, sondern auch mindestens genauso viele Touristen. Clevere Affen, die sich wie Touristen benehmen und nicht so clevere Touristen, die sich wie… naja lassen wir das Thema heute. 😀 Reisende aus aller Welt, aber auch eine Vielzahl von Mönchen pilgern zu dem legendären Stupa. Die Anlage steht auf einem Hügel, über dem man das Kathmandu-Tal überblicken kann. Die Aussichtsplattform ist meistens voll. Um ein gutes Foto zu ergattern, bedarf es Geduld. Oder pure Muskelkraft. Der Weg ist das Ziel. Früher oder später kommen wir alle an. Manche lieber früher als später.

      Gemeinsam mit Dike, eines unserer Patenkinder, warte ich geduldig auf ein freies Plätzchen. Direkt vor uns beenden gerade drei Inder ihre Foto-Session. Freundlich bieten sie uns ihren Platz an. Ich drehe mich zu Dike und werde just in diesem Moment mit einem heftigen Stoß weggerempelt. Ich halte mich gerade noch so auf den Beinen und – viel wichtiger – verliere meine Kamera nicht aus der Hand. Wütend schaue ich zur Person, die mich gestoßen hat. Ich blicke ins Gesicht eines alten, fülligen Mönches in roter Kutte. Kurz davor einen Krieg anzuzetteln, beruhige ich mich und schenke ihm einen konfusen Blick, der so viel sagt wie: „Was zum Teufel sollte das denn? Du bist Mönch!“. Ohne sich zu entschuldigen, würdigt er mich mit einem verachtenden Blick, der so viel sagt wie: „Japp, ich war das! Und wenn du nicht sofort verschwindest, werde ich noch deutlicher!“. Ich belasse es bei höhnischem Applaus.

    2. Es gibt Schnee im Kathmandu-Tal!

      Schnee im Kathmandu-Tal.
      Schnee im Kathmandu-Tal.

      Ich hatte davon bereits in der Vergangenheit gehört und hielt es für eine Legende. Schnee im Kathmandu-Tal hatte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Am Morgen des 28.02.2019 wurden wir Zeuge eines eher seltenen Ereignisses: Schnee im Kathmandu-Tal! In Bhaktapur hat es sogar richtig geschneit. Dafür lagen die Temperaturen an jenem frühen Morgen auch bei bescheidenen 2°C. Wer schon einmal in einer „gewöhnlichen“ nepalesischen Wohnung gelebt hat, weiß, dass 2°C Außentemperatur eine Innentemperatur von 2°C bedeuten 😛

      Mehr Bilder von den schneebedeckten Hügeln des Kathmandu-Tals habe ich auf Facebook hochgeladen. Die Bilder stammen übrigens von unserer Dachterrasse.

    3. Nie ohne Insektenschutz in den Süden Nepals reisen!

      Mehr dazu in meinem Beitrag: 4 Kakerlaken & 13 Mücken später – Reisebericht aus Bharatpur 🙂

    4. Der Satz: „Aber bitte übergib dich nicht“, reicht nicht aus, damit sich Kinder im Bus nicht übergeben…

      Die Busfahrt nach Pokhara dauert zwar sehr lange, ist aber atemberaubend.
      Fahrten durch das Mittelgebirge sind sehr kurvig…

      Auf der Rückreise von Bharatpur nach Kathmandu sitze ich im Non-Tourist-Bus. Die kleineren Busse sind zwar schneller, haben aber nur fünf (von 12) bequeme Sitze. Neben mir sitzt eine Mutter, ihre beiden Kinder und ihre Schwester. Der Sohn nascht an einer Chips-Tüte. Käse- und Zwiebelgeruch füllen den Bus. Die Tante greift in ihre Plastiktüte. Zum Vorschein kommt eine Banane. Eine Hälfte bekommt ihr Neffe, die andere verschwindet in ihrem Mund. Ich beobachte weiter. Der Junge sieht Bus-erfahren aus. Das beruhigt mich. Mein Blick wandert zu den Armen der Mutter. Das Kleinkind schläft. Das ist gut. Kleinkinder haben nämlich großes „Kotz-Potential“.

      Wieder raschelt die Tüte. Die Tante holt Samosas hervor. Öl und Curry vermischen sich mit Käse und Zwiebeln. Ich verzieh das Gesicht. Der Junge beißt genüsslich hinein. Die Samosa-Füllung verteilt sich im Bus. Die Mutter balanciert eines dieser frittierten Teigtaschen zwischen Weintrauben in ihrer Hand. Wo kommen die denn her?! Mir gefällt das nicht. Die Mutter weckt das Kleinkind. Ich bin entsetzt! Trauben und Samosa-Füllung landen im Magen des Kleinkindes. Die Tante schält gekochte Eier. Ich muss fast weinen.

      Auch wenn es nur Warsteiner ist - Ich könnte jetzt ein Bier vertragen.
      Auch wenn’s nur Warsteiner ist – Ich könnte ein Bier vertragen.

      Der Bus fährt los. Die Mutter gibt ihrem Sohn eine Cola-Flasche: „Aber bitte übergib dich jetzt nicht!“. Wie zum Teufel soll er das hinbekommen?!?! Der Bus wird schneller und schlängelt sich durch das Mittelgebirge. Der Junge lacht. Zufrieden blicke ich zum dösenden Kleinkind. Moment! Das Kind döst nicht, es ist ganz bleich! Die Mutter hat die passende Antwort: Sie gibt dem Kind die Brust. Ich schlage meine Hände vors Gesicht. Ich bin kein Mediziner, aber gegen Reisekrankheit hilft sicherlich nicht Muttermilch. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis etwas passiert.

      Genau 32 Minuten nach der Abfahrt steht unser Bus am Straßenrand. Der Busfahrer gibt der Mutter einen Stapel Zeitungspapier. Sie schimpft und wischt das Erbrochene von zwei Kindern auf. Ich blicke auf das Gesamtkunstwerk vor meinen Füßen und kann problemlos zuordnen, von welchem Kind die jeweiligen Pfützen stammen. Und wir haben noch 5 Stunden Fahrt vor uns…

    5. Unterschätze niemals die Geschwindigkeit eines Trägers…

      Träger sind unglaublich!
      Träger sind unglaublich!

      Für die von uns betreute Behindertenschule in Kathmandu haben wir einen Leichtmetall-Schrank gekauft, der geliefert werden sollte. Da Straßennamen in Kathmandu nur eine untergeordnete Rolle spielen, haben wir mit dem Träger ausgemacht, dass wir uns an einer Kreuzung nahe der Schule treffen würden. Der alte Mann solle uns anrufen, sobald er vom Geschäft losgeht. Bis zur besagten Kreuzung sind es über 2,5km auf einer dicht befahrenen Hauptstraße. Genug Zeit für uns also, gemütlich von Zuhause aufzubrechen. Denkste! Nach noch nicht einmal 20 Minuten bekommen wir einen wütenden Anruf, wo wir denn blieben… Ups, sorry…

    6. Bei Verhandlungen mit Taxifahrern hilft das Wort „Meter“ (Taxameter)

      Zu guter Letzt habe ich noch einen guten Tipp für Euch. Wenn Ihr innerhalb von Kathmandu ein Taxi nehmen möchtet, ist es ratsam vor Abfahrt einen Preis auszuhandeln. Das ist natürlich schwierig, wenn Ihr Euch nicht auskennt. Wenn man die Entfernungen nicht einschätzen kann, ist verhandeln nur bedingt möglich. Was Ihr tun könnt, ist darauf zu bestehen mit Taxameter abzurechnen. Das englische Wort „Meter“ wird allerdings für Euch Fluch und Segen sein. Mal bekommt Ihr faire Preise, mal verscheucht Ihr damit den Fahrer 😀

Ups… Der Beitrag ist doch etwas länger geworden als geplant… Ich hoffe, Ihr hattet trotzdem Spaß am Lesen.
Würde mich freuen, wenn Ihr mir in den Kommentaren schreibt, was Ihr so lustiges in Nepal „gelernt“ habt 🙂
Und keine Sorge, die nächsten Beiträge werden wieder kürzer – Versprochen 🙂


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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

2 Antworten

  1. Thomas

    Ganz ehrlich, dem Möch gehört sein „Buddhismus Führerschein“ abgenommen .
    Was ich gelernt habe ist das in, auf, an ein Fahrzeug deutlich mehr Personen passen als man glaubt .

    • Khai-Thai

      Hallo Thomas, ich stimme Dir zu! Leider sind eine Vielzahl der (tibetischen) Möche recht skrupellos in Nepal… Geld macht es möglich. Du wirst nicht glauben, wie die sich beispielsweise im 5-Sterne Resort des Hyatt Hotels benehmen – und wie viele von ihnen dank Spendengelder dort unterkommen können. :/

      Hahaha das mit den Fahrzeugen ist wirklich unglaublich!! Wo ein Wille ist, ist auch noch ein kleines bisschen Platz 😛

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