Diese Australier… Keine zwei Stunden gewandert und noch nicht einmal 2.000 Höhenmeter erreicht, und schon richten sie ihr Basislager ein… Super lässig und voll abgechillt eben – The Australian way of Life 😀

Aber dieser Lebensstil hat auch etwas sehr gutes bewirkt. Denn dadurch hat jeder Nepal-Reisende die Möglichkeit, dem Himalaya ganz nah zu sein, ohne sich überanstregen zu müssen. Für diejenigen, die nicht viel Zeit mitbringen oder (wie ich) nicht allzu wanderbegeistert sind, ist dieser kurze „Trek“ eine tolle Gelegenheit! Viel Planung bedarf es hierbei nicht. Zwei halbe Tage für An- und Abreise sowie eine Übernachtung auf dem Basislager reichen schon aus, um ein wenig frische Bergluft zu schnuppern. Den atemberaubenden Blick auf die Annapurna Bergkette gibt es obendrauf. Selbst ich konnte da nicht mehr „nein“ sagen.
Über Pokhara nach Kande hinauf zum Australian Base Camp

Nach einem ausgiebigen Frühstück am wunderschönen Phewa-See im Paradies Pokhara, schlendere ich zurück zu meinem Hotel und packe meinen Rucksack. Ich will ja nicht den selben Fehler begehen, wie noch vor einem halben Jahr in Dolpa. Damals, übermotiviert und mit einem jugendlichen Leichtsinn ausgerüstet, lief ich im Tal mit Sneakers, Kapuzenpulli und kurzer Hose los, um sieben Stunden später auf einer Höhe von fast 4000m bei dichtem Nebel fast zu erfrieren. Ich habe meine Lektion gelernt und packe alles ein, was ich aus Kathmandu mitgebracht habe. Warum, weiß ich bis heute nicht. Den verwirrten Blick des Hotel-Besitzers zum Trotz wandere ich vom Touristenkern Pokharas durch den Rest der Stadt, der nicht komplett von Touristen besetzt ist. Verrückt, aber wahr – eine schöne Abwechslung in Pokhara.

Mit meinem riesigen Trekking-Rucksack laufe ich den „Phewa Marga“ entlang, bis die Hauptstraße an einer großen Kreuzung in den „Pokhara-Baglung-Highway“ übergeht. Die erste Schwierigkeit habe ich somit gemeistert. Die zweite heißt, den richtigen Bus dort zu erwischen. Aber auch das stellt sich leichter heraus als gedacht. Mit dem großen Bus erreiche ich in einer etwa einstündigen Fahrt den Ort „Kande“ (nasale Aussprache: Kaahdey). Ich bin der einzige Tourist im Bus und genieße die angenehme Fahrt durch die Außenbezirke von Pokhara und später die holprigen Pisten auf der nicht befestigten Bergstraße.
Die Wanderung von Kande zum Basislager
An der Haltestelle Kande gibt es nicht viel zu sehen. Die üblichen Verkaufsstände für Fernreisende und ein paar Busse, die dort pausieren. Ich begebe mich intuitiv auf die rechte Straßenseite, weil aus dieser Blickrichtung der Himalaya grüßt. So glaube ich jedenfalls. Denn sehen tu ich absolut nichts. Der Himmel meint es heute nicht gut mit mir. Ich sehe keine weißen Bergspitzen, sondern nur einen dichten grauen Schleier.

Der Weg zum Australian Base Camp ist gut gekennzeichnet. Sich zu verlaufen ist praktisch unmöglich. Es gibt nur diesen einen Pfad und der geht zum Teil relativ steil hinauf. Die meiste Zeit steigt man Stufen. Ab und an kommen mir Wanderer entgegen. Die waren wohl bereits am Vortag auf dem Basislager. Ich spüre langsam die schwere Last auf meinem Rücken. Die Oberschenkel brennen. Aber glücklicherweise ist der Weg nicht weit. Nach gerade einmal 1,5 Stunden ist man schon auf dem Gipfel, 1.890m über dem Meeresspiegel. Einige hundert Meter vor dem Basislager befindet sich eine winzige Siedlung mit etwa fünf Häusern. Ich verbringe ein wenig Zeit dort, um dem Touristen-Trubel auf dem Base-Camp zu entgehen.


Das Australian Base Camp

Nachdem ich wieder zur Ruhe gekommen bin, begebe ich mich am Nachmittag in das Basislager. Überall erblicke ich Gesichter aus aller Welt. Einzelgänger, Gruppen, Familien – jede Altersgruppe ist vertreten. Ab und an ist auch ein Guide dabei. Ich mache mich auf die Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Auch das stellt überhaupt kein Problem dar. Es gibt Unterkünfte jedweder Art. Von gut ausgestatteten Doppelzimmern bis zu Bungalows ist für jeden beziehungsweise jede Brieftasche etwas dabei. Selbst Zelte können gemietet werden. Doch dafür ist es mir im Februar viel zu kalt. Ich entscheide mich für ein einfaches Doppelzimmer mit eigenem Bad für etwa 10€ pro Nacht.

Ich spaziere durch das Basislager und muss feststellen, dass es hier doch etwas trostlos ist. Vor allem, wenn ein tristes Grau die Berge verdeckt und die Winterkälte mit fortschreitender Stunde mir in die Glieder fährt. Ein Glück, dass ein kleiner Junge keine Lust auf die Foto-Session seiner chinesischen Eltern hat, und lieber mit mir Fußball spielen möchte. So vergeht wenigstens die Zeit etwas bis zum gemeinsamen Abendessen. Noch Stunden bevor es soweit ist, wird bereits die Bestellung aufgenommen. Ich lehne dankend ab, weil ich mir vorgenommen habe, in der Siedlung zu essen. Ein schöner Ausklang des Tages mit der Familie des Hauses. Ich genehmige mir noch ein alkoholisches Heißgetränk (Tongba) und schlendere bei kompletter Dunkelheit zurück ins Basislager, wo bereits ein Lagerfeuer brennt. Gemeinsam lassen wir uns vom Feuer wärmen. Mit dem Blick in die Ferne gerichtet, bitte ich Shiva darum, allen Reisenden einen Gefallen zu tun, indem er bis morgen Früh das dichte Wolkenmeer vor dem Himalaya vertreibt.
Ein Sonnenaufgang wie er im Buche steht und Blick auf dem Himalaya
Die Nacht habe ich nicht gut schlafen können. Womöglich war es zu kalt gewesen. Regentropfen prasselten nieder.

Ausschlafen war heute ohnehin nicht möglich gewesen, wollte ich doch – wie jeder andere auch – den Sonnenaufgang über den Himalaya genießen. Schläfrig stoße ich durch die Tür in die kalte Morgenluft. Der Rasen ist noch feucht. Ich steige die Treppen hinauf auf das Dach, das mich mit einigen tiefen Pfützen begrüßt. So richtig hell ist es noch nicht. Meine Augen gewöhnen sich so langsam an die Morgendämmerung. Es ist noch vollkommen ruhig. Kaum ein anderer Gast ist schon auf den Beinen. Ich blicke gen Norden und werde umgehend von der monumentalen Pracht des Himalaya erschlagen. Die Wolken sind weg! Shiva, Du bist der beste! Danke für alle Mitreisenden. Ich schulde Dir was!
Der Sonnenaufgang ist trotz dichter Wolken im Osten unbeschreiblich schön. Es sind tolle Augenblicke! Überall herum hört man das Knipsen der Spiegelreflexkameras. Es herrscht eine erhabene Stimmung und eine besondere Atmosphäre. In jede Blickrichtung findet man schöne Foto-Motive.
Im Norden hat man die Sicht auf die Berge Annapurna South, Hiunchuli, Machhapuchhre und Lamjung Himal. Im Osten erstreckt sich ein wunderschönes Tal und im Süden schwebt man über einem dichten Wolkenmeer. Hier ein paar Fotos von meiner Zeit im Februar 2018.
Abstieg vom Australian Base Camp

Nach dem Sonnenaufgang, den ganzen Fotos und einigen ruhigen Momenten beginnt nun mein Abstieg. Ich kehre dem Himalaya aber nicht meinen Rücken zu, sondern wandere mit ihm im Blickfeld. Anstatt denselben Weg zu nehmen, gibt es auch eine andere Route, die für den Abstieg geeignet ist. Ich laufe gemütlich durch eine Art „Dschungel“ und ganz viel Natur. Vogelgesang und die wärmende Sonne begleiten mich hinab. Nach etwa einer Stunde erreiche ich die bekannte Dorfregion Dhampus, wo ich ein schönes Frühstück zu mir nehme. Im Hintergrund stets das Panorama des Himalaya.

Ich mache mich weiter hinab auf dem Weg nach Phedi und wandere dabei durch unendlich weite Reisterrassen und viele kleine Farmhäuser. Nach einer weiteren guten Stunde erreiche ich die Hauptstraße bei Phedi, wo ich nur noch auf den Bus warten muss, der mich wieder zurück nach Pokhara bringt.
Fazit: Ein Ausflug auf das Australian Base Camp lohnt sich auf alle Fälle! Trotz der Kürze dieser Wanderung gibt es unheimlich viel zu sehen. Die Wanderroute verläuft durch unterschiedliche Gebiete und macht diesen kurzen Trek durchaus interessant. Wer nicht viel Zeit mitbringt, kommt hier voll auf seine Kosten!
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