Ganesh – Der Elefantengott und seine Bedeutung im Hinduismus

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Obwohl der Hinduismus (anders als der Buddhismus) in der westlichen Welt kaum tiefergründig behandelt wird, kennt dennoch irgendwie jeder von uns diesen einen Gott mit dem Elefantenkopf. Ihr doch sicherlich auch. Ganesh, der „Elefantengott“, gilt fast schon als Symbolfigur einer ganzen Religion.

Aber es ist nicht seine äußerliche Erscheinung, die ihm große Verehrung unter Gläubigen Hindus schenkt. Es ist einer dieser wundervollen Mythen des Hinduismus, die Ganesh den Vorzug vor allen anderen Göttern und Gottheiten gewährt. Jedes Ritual und jede Puja beginnt mit einem Gebet an Ganesh – unabhängig davon, welche Gottheit eigentlich angesprochen werden sollte.

Ganesh, der beliebte Gott mit dem Elefantenkopf.

Daher findet ihr in Nepal an den meisten (alten) Tempelanlagen immer auch einen kleinen Schrein, der Ganesh gewidmet ist. Selbst in der buddhistisch geprägten Tempelanlage Boudhanath Stupa hat der Gott mit dem Elefantenkopf seinen Platz.

Wie Ganesh den Elefantenkopf bekam und warum er immer zuerst angebetet wird

Ganesh hatte bei seiner Entstehung ursprünglich noch einen menschlichen Kopf gehabt. Er verlor ihn jedoch auf tragische Weise.

Shiva, der mächtige Gott der Zerstörung, lebte mit seiner Frau, der Muttergöttin Parvati, auf dem Berg Kailash. Als Shiva sich für eine längere Meditation aus dem Haus zurückzog, formte Parvati einen Jungen aus dem Lehm, mit dem sie zuvor ihren Körper eingerieben hatte. Sie erweckte die Lehmfigur zum Leben und benannte sie fortan zu ihrem eigenen Sohn Ganesh.

Parvati, die immer ein tägliches Bad nahm, verordnete ihrem Sohn währenddessen niemanden in das Haus hineinzulassen.

Die perfekte Götterfamilie: Shiva (m.), Parvati (r.) und Sohn Ganesh (l.).

Als Shiva von seiner langen Meditation zurückkam, verweigerte Ganesh ihm den Eintritt, nicht wissend, dass es sich hierbei um seinem Vater und gleichzeitig dem Ehemann seiner Mutter handelte. Shiva war außer sich vor Wut, keinen Zutritt zu seinem eigenen Haus zu bekommen. Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf. Doch gegen den mächtigen Gott der Zerstörung hatte der kleine Ganesh keine Chance. Shiva schlug ihm gnadenlos den Kopf ab.

Parvati konnte nur noch das Ausmaß der Katastrophe feststellen. Ihr Sohn wurde vom eigenen Vater getötet! Im unbändigen Zorn verwandelte sich Parvati in ihre andere Erscheinungsform Kali, die Göttin des Todes und der Zerstörung. Sie drohte damit das ganze Universum auszulöschen.

Brahma, der Herr der Schöpfung (neben Shiva und Vishnu einer der drei Hauptgötter im Hinduismus), kam hinzu und beruhigte die wütende Göttin. Wieder in ihrer Form der hingebungsvollen und liebenden Mutter hatte Parvati zwei Bedingungen. Erstens musste ihr Sohn wiederbelebt werden. Zweitens musste er eine wichtige Rolle in der Götterwelt bekommen und fortan immer vor allen anderen Göttern angebetet werden.

Der reuevolle Shiva bat Brahma ihm den Kopf der ersten lebendigen Kreatur zu bringen, die mit Blick nach Norden lag. Dies war ein Elefant gewesen. So setzte Shiva seinem Sohn den Elefantenkopf auf und erweckte ihn damit wieder zu neuem Leben.

Die Entstehungsgeschichte von Ganesh ist ziemlich brutal…

Die Bedeutung vom „Elefantengott“ und für was er steht

Obwohl Ganesh nicht zu den drei mächtigsten Göttern im Hinduismus zählt, ist er es, der am meisten verehrt wird. Als „Herr der Hindernisse“ – sowohl Beseitiger als auch Schaffer von Hindernissen – genießt er große Beliebtheit. Er steht für jeden Neuanfang und verkörpert Weisheit, Intelligenz und Gewitztheit. Daher fragen Gläubige beim Beginn einer jeden neuen Unternehmung Ganesh nach Glück, Erfolg oder gutes Gelingen für den Weg.


Kanntet ihr schon die Geschichte rund um den Gott mit dem Elefantenkopf?

Der Hinduismus bietet so viele spannende Geschichten über die Abermillionen Götter und Gottheiten. Im vorgestellten Buch Shiva Shiva lernt ihr den Hinduismus auf einem Blick super kennen.

Ab und zu werde ich die ein oder andere Geschichte hier im Blog veröffentlichen. Schließlich – und das vergessen viele – ist Nepal hauptsächlich hinduistisch. Der kleine Himalaya-Staat war in der Vergangenheit sogar das einzige Hindu-Königreich der Welt gewesen!

Übrigens tritt Buddha Shakyamuni auch im Hinduismus auf – diese Geschichte gibt’s aber beim nächsten Mal 😉


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Namasté! Schön, dass Du meinen Nepal Blog gefunden hast. Ich heiße Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

2 Antworten

  1. 1basundhara

    Gut beschrieben. Aber wusstest Du was einige Nepalesen sagen? Wenn Shiva so viel Kraft und Magie hatte, warum war es ihm nicht möglich den eigentlichen Kopf Ganeshs wieder aufzusetzen? 😉
    Viele Grüße Ines

    • Khai-Thai

      Hallo Ines, danke für Deinen Kommentar! Das ist eine gute Frage, die sicherlich nur Shiva selbst beantworten kann 😉
      Liebe Grüße 🙂

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