Das verhexte Bändchen – Wie ein Mönch uns verfluchte

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Hier wurden wir verhext.
Hier wurden wir verhext.

Da sitzen wir nun. Nadine und ich. Und uns gegenüber ein „großer“ Lama (buddhistischer Priester) sowie sein jüngerer Gehilfe. Ein kleiner länglicher Tisch trennt uns. Während ich die zeremoniellen Gegenstände auf dem Tisch begutachte und die Umgebung in mich aufsauge, spricht der Lama. Allerdings nicht direkt mit uns. Mehr oder weniger spreche er für uns, erklärt uns sein Gehilfe in gebrochenem Englisch. Ein Mantra, das uns mit Glück segnen solle. Unbewusst rolle ich meine Augen. Ich weiß, worauf die Sache hinauslaufen wird: Geld. Nichts gibt es umsonst. Nichts wird verschenkt. Nicht einmal ein Segen vom Lama. Glück kostet in diesem Fall eine Geldspende ans Kloster. Irgendwie muss der Prunk ja finanziert werden. Mir dreht sich der Magen um. Das ist nicht der Buddhismus, den ich kenne.

Ich blicke zu meiner Sitznachbarin. Nadines Augen leuchten wie bei einem Kind, das vor einem Berg voller Süßigkeiten steht. Ok, ich gebe zu, die Atmosphäre in diesem Moment ist schon etwas sehr besonderes. Wir sind zu diesem Zeitpunkt die beiden einzigen Gäste im Kloster. Der jüngere Gehilfe hatte uns am Eingang hineingezogen, als wir eigentlich nur passieren wollten. Da will ich mal nicht so sein. Ein bisschen Glück kann ja nie schaden.

Hier passierte das Unheil.
Hier passierte das Unheil. Ein Kloster in Boudha.

Der Lama setzt seine Zeremonie fort. Er segnet uns mit buddhistischen Gegenständen und schüttet etwas Wasser aus einer kleinen Vase in unsere Handflächen, das wir zu uns nehmen sollen. Er fragt – mithilfe seines Gehilfen – nach Nadines Namen, segnet sie und gibt ihr ein rotes Bändchen. Dann widmet er sich mir, schenkt mir ebenfalls ein Bändchen und beendet das Ritual. Moment mal, warum hat er nicht nach meinem Namen gefragt, schießt es mir sofort durch den Kopf. Hat Nadine nun mehr Glück als ich?! Unfair! Während wir uns die roten Bändchen um den Hals hängen, hoffe ich, dass der alte Mann uns gesegnet und nicht verheiratet hat. Im Sinne von „Bis das Bändchen sich löst und euch scheidet“…

Nun kommen wir zum Geschäft, denke ich mir und mache keine Anstalten auch nur eine Rupie von mir zu rücken. Es entsteht eine unangenehme Stille, die ich genieße. Dann bricht der Gehilfe die Ruhe und spricht offen aus, was ich bereits erwartet habe: Eine Geldspende. Nadine und ich überlegen, wie viel wir dem Kloster geben möchten. Der Gehilfe sieht unsere Scheine und sagt daraufhin sofort, dass es zu wenig sei. Schließlich handele es sich bei dem Lama um einen „großen“ Lama. Seit wann stellt man bei einer Spende denn Forderungen?! Eingeschüchtert von den Worten der Mönche holen wir einen 1.000 Rupien-Schein aus der Tasche (knapp 9€). Gerade will ich den Schein in die Spendenbox einwerfen, da hält mich der Gehilfe auf. Die Spende landet nicht in der Box, sondern in der Tasche des „großen“ Lama. Zum Dank bekommen wir jeweils einen Apfel und eine Banane auf dem Weg.

Der Fluch beginnt mit einem Biss in die Banane

Glücklich und zufrieden spazieren Nadine und ich aus dem Kloster. Es fühlt sich toll an, gesegnet zu werden. Ich gönne mir die geschenkte Banane und bemerke wenige Minuten nach dem Verzehr, dass mir schummrig ist. Ein seltsames Unwohlsein begleitet mich fortan. Es sind keine Magenschmerzen oder dergleichen. Mein Kreislauf scheint von einer Sekunde auf die nächste nicht mehr richtig mitmachen zu wollen. Tagelang wird sich dieser Zustand noch ziehen. Ein Zustand, der mir jegliches Hungergefühl raubt und der mich völlig schlapp zurücklässt. Mir geht es alles andere als gut, fühle mich aber auch nicht so krank, dass ich Zuhause bleiben möchte.

Das verfluchte Bändchen löste sich in Kirtipur.
Das verfluchte Bändchen löste sich in Kirtipur.

Genau zwei Tage nach dem Besuch bei den Mönchen, machen wir einen gemeinsamen Tagesausflug in das kleine Städtchen Kirtipur. Geschwächt schleppe ich mich durch die alten Gassen der Newar-Hochburg, immer am Ende unserer kleinen Ausflugsgruppe. Plötzlich fällt mir auf, dass sich das rote Bändchen von allein gelöst hat. Allen Knoten zum Trotz. Wie von Geisterhand. Und wie von Geisterhand kam wenig später dann auch mein Appetit wieder. Als wir nämlich ein Restaurant in Kirtipur betreten, esse ich urplötzlich wieder so, als wäre ich nie krank gewesen. Von einem Moment auf den anderen. Lag es wirklich an diesem verdammten Bändchen?! Wurden wir von den Mönchen etwa verflucht?! Oder ist das alles nur Zufall?

Das kann kein Zufall mehr sein!

Unheimlich wird es, wenn ich Euch noch Nadines Geschichte erzähle. Ihr ging es seit Kirtipur nicht so gut. Während ich wieder putzmunter durch die Gegend hüpfte, sprang der Fluch auf sie herüber. Sie hatte tagelang mit Magenschmerzen zu kämpfen und konnte kaum etwas essen. Meistens lag sie völlig entkräftet im Bett. Als sie eines Abends so still da lag, löste sich auch hier wie von Geisterhand das rote Bändchen. Sie konnte sich nicht erklären, wie das passieren konnte. Und viel weniger konnte Nadine erklären, wie sie am gleichen Abend mehr essen konnte, als wir alle zusammen… Das kann doch alles kein Zufall mehr sein…

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Namasté! Schön, dass Ihr meinen Nepal Blog gefunden habt. Mein Name ist Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

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