Wenn die Zuversicht schwindet…

Schon lange ist Nepal für mich nicht mehr das einfache Reiseland, in dem ich mich vollkommen entspannen sowie die Sorgen und den Stress aus dem Alltag zurücklassen kann. Nepal ist für mich – entgegen der Vermutungen von Freunden und Familie – nicht das Land, in dem ich mich zurückziehe, wenn mir alles hier in Deutschland zu viel wird.

Nepal ist kein Zufluchtsort, an dem ich abschalte!

Wenn ich meine Reisen nach Nepal antrete, beginnt kein Entspannungsurlaub. Diverse Aufgaben liegen vor mir, die bewältigt werden und viele Erwartungen, die erfüllt werden müssen. Die Liste ist lang: Projekte vorantreiben, Projektfortschritte dokumentieren, Projektberichte schreiben, mit Verantwortlichen sprechen, die von unserem Verein betreuten Einrichtungen besuchen, Einkäufe für meinen Nepal Shop tätigen, für neue Volontäre da sein und ein wenig bloggen. Dennoch verspüre ich niemals einen Druck von außen. Den vielen Druck lege ich mir meist selbst auf, da ich die wenige Zeit in Nepal so effektiv und produktiv wie möglich gestalten möchte.

Auf meinen vergangenen sieben Reisen nach Nepal hat dies größtenteils auch stets geklappt. Sicherlich auch, weil ich immer felsenfest davon überzeugt gewesen war, dass ich es schaffe. Vieles, was ich mir vorgenommen hatte, konnte erfolgreich erfüllt werden. Der Glaube versetzt Berge – auch am Himalaya. Der Glaube an mich und meine Stärken strahlt dabei eine Zuversicht und eine gewisse Sicherheit aus, dass alles auch tatsächlich geschafft werden kann.

Weil es von mir einfach erwartet wird…

Enge Freunde aus Deutschland, die ebenfalls mit mir mal in Nepal waren, bemerken, dass ich dort anders auftrete – „selbstsicherer“. Zum kleinen Teil bin ich es tatsächlich, zum großen Teil muss ich es auch sein. Ich erinnere mich an Nepal-Neuankömmlinge, die bei der Ankunft von der schier andersartigen nepalesischen Kultur erschlagen wurden und die ich aus diesen Grund unter meine Fittiche nahm. Ich erinnere mich an das Tuberkulose-Drama an der Snowland Schule, bei dem über 25 der etwa 150 Kinder an der tödlichen Krankheit erkrankt waren. Ich erinnere mich an mein erstes schwere Erdbeben in 2011. Ich erinnere mich an das verheerende Erdbeben im April 2015 und die chaotischen Tage danach. Ich erinnere mich, dass ich stets der Ruhepol für Volontäre und Kinder war; dass ich stets die Person war, die scheinbar wusste, was zu tun sei und die immer für jeden da ist.

Ich behaupte nicht, dass ohne mich viele Volontäre überhaupt keinen Gefallen an Nepal gefunden hätten und sie bei Fragen hilflos ausgeliefert wären. Aber es ist nun einmal so, dass mit mir ihr Nepal-Einstieg vereinfacht wurde und sie immer eine Person im Hostel als Anker hatten.

Selbstzweifel sind in Nepal nicht zu gebrauchen

Doch was ist, wenn wie aktuell diese Zuversicht schwindet? Was ist, wenn Selbstzweifel die Oberhand gewinnen? Seit Juni schon plagen mich Zweifel an meiner Person. Meine ganze Selbstsicherheit ist dahin. Der Glaube an mich selbst ist weg. Das Vertrauen in meine Person ist nicht mehr da. Ein sehr blödes und für mich auch ungewohntes Gefühl. Zurzeit habe ich einfach nicht mehr die Sicherheit und die Zuversicht, die so wichtig für meine Aufgaben in Nepal sind. Jeder Gedanke an meine Stärken und meine Persönlichkeit ist mit Zweifel verbunden. Ich glaube einfach nicht mehr daran, dass ich die vielen Aufgaben bewältigen kann.

Wer nun denkt, dass ich das Problem an der Wurzel packen sollte, indem ich meine Zweifel auf den Grund gehe, dem kann ich versichern, dass dies nicht hilft. Ich weiß, warum ich mich seit einigen Monaten in einem Loch befinde. Die Wurzel ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Zweifel im Unterbewusstsein angekommen sind, und von dort nicht mehr von mir selbst kontrolliert werden können. Sie sind einfach da….

Das einzige, was hilft, ist wohl ein Erfolgserlebnis. Doch in Nepal werde ich es alleine sicherlich nicht finden können. Noch nie zuvor, war ich auf meine Mitmenschen mehr angewiesen. Ich brauche jemanden vor Ort, der mir bei den Aufgaben zur Seite steht. Ich brauche den Anker im Hostel – denn ich selbst kann es zurzeit einfach nicht sein…

 

Verfolgen Khai-Thai:

Namasté! Schön, dass Ihr meinen Nepal Blog gefunden habt. Mein Name ist Khai-Thai, ich bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Vietnam, Frankfurt ist meine Heimat und Nepal mein Zuhause. Seit 2011 besuche ich das wundervolle Land für mehrere Monate im Jahr und engagiere mich für unsere Hilfsprojekte vor Ort. In diesem Nepal Blog schreibe ich über meine Eindrücke, Erfahrungen, Anekdoten und Projekte - Einfach mein-Nepal eben ;)

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3 Antworten

  1. Khai, so etwas ist vollkommen normal. Du wirst im Leben noch öfters an solch einem Punkt stehen. Glaubs mir, ich bin älter als Du 😉
    Überleg zunächst mal, was alles Du schon geschafft hast. Ich kenne wenige, oder zumindest hier in Deutschland, keine jungen Menschen wie Du die sich so engagieren. Darauf kannst Du stolz sein. Was Du an Erfahrungen gesammelt hast, wird Dir helfen. Vielleicht nicht jetzt, aber irgendwann einmal in Deinem Leben. Man steht immer irgendwann an einem Schneidepunkt und denkt: und nun? Aber man bemerkt immer irgendwann das es einem weiter geholfen hat. Khai was Dich nicht umbringt stärkt Dich. Du wirst das irgendwann wissen. Wann immer wir in Nepal Dir mit einer Angelegenheit helfen können, dann melde Dich bei uns. Für Deine privaten Dinge und Gedanken hier, wünsche ich mir für Dich, dass Du bald ein Licht im Dunkeln siehst. Was auch kommen wird.
    Viele Grüße

    • Danke basundhara für Deine netten und aufbauenden Worte!!! 🙂
      Vielleicht sieht man sich ja schon sehr bald in Nepal wieder 😉 Ich werde mich per Mail melden, wenn ich mehr Infos habe…
      LG und bis bald!

  2. ach das wäre toll….

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