Sehnsucht nach…

Eingetragen bei: Khai in Deutschland, Persönliches | 3

…hmm… diesmal nicht explizit das Land Nepal. Keine Sorge, das wird kein emotionaler Werbeaufruf, in dem ich versuchen werde, Euch das Land schmackhaft zu machen. Es wird kein Beitrag über die wundervolle, vielfältige Kultur; kein Beitrag über die atemberaubende Natur; und schon gar kein Beitrag, der Mitgefühl und Mitleid mit dem kleinen Himalaya-Staat nach dem verheerenden Erdbeben wecken soll.

Dieses Mal geht es nur um mich – (m)eine Zukunft mit Nepal?

Erst Ende April kam ich mit gemischten Gefühlen aus Nepal zurück. Einerseits froh wieder „sicheren Boden“ unter den Füßen zu haben und Familie und Freunde nach zwei Monaten Abwesenheit und Tagen des Bangens wieder zu sehen. Andererseits traurig das Land wieder verlassen und wichtige Menschen in meinem Leben während der schweren Naturkatastrophe zurückgelassen haben zu müssen.

Das Leben in zwei so unterschiedlichen Ländern ist zur Routine geworden, aber dennoch nicht einfach. In der Tat wird es sogar mit der Zeit immer schwieriger. Schwieriger, weil ich weiß, dass es in Zukunft nicht so weiterlaufen kann und mit größter Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr so weiterlaufen wird! Irgendwann – womöglich früher als später – werde ich es nicht mehr schaffen, zwei Mal im Jahr für 2-3 Monate in Nepal zu sein – aus finanziellen und/oder privaten Gründen… So sehr ich es auch liebe, mich in diesem Land aufzuhalten, ich gehöre mehr in jeden europäischen Staat als nach Nepal.

Glücklich in Nepal
In Nepal bin ich glücklicher. (Foto: Khai-Thai Duong)

Noch nie zuvor – seit dem Beginn meines Nepal Abenteuers im September 2011 – hatte ich so große Zweifel. Vielleicht hängt das auch alles nur mit der aktuellen Gesamtsituation zusammen; es läuft einfach nicht rund zurzeit…

Es ist ein Dilemma. Denn wie ich bereits oft in Diskussionsrunden erklärte: In Nepal bin ich tatsächlich glücklicher. Versteht mich nicht falsch, ich bin super glücklich in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein. Hier bin ich Zuhause, aber in Nepal bin ich einfach glücklicher. Aber es ist ein Glück mit Ablaufdatum, das bei jeder Ankunft in Nepal mir sofort im Nacken sitzt und bei jeder Abreise tiefe Narben hinterlässt. Vor allem, weil ich weiß, dass meine Zukunft definitiv nicht IN Nepal liegt.

Keine Sehnsucht nach Nepal, aber Sehnsucht nach den Gefühlen von der Zeit in Nepal

Wiederaufbau des völlig zerstörten Dorfs Ikudol.
Unsere Erdbebenhilfe geht leider nicht annährend so schnell voran, wie ich mir es wünsche. (Foto: Nepali Host Family)

Im Moment habe ich auch zum ersten Mal seit 2011 nicht den absoluten Drang nach Nepal reisen zu wollen. Das liegt keineswegs an dem Erdbeben, an den bis heute noch andauernden Nachbeben oder an den Auswirkungen des Bebens für das kleine Land am Himalaya.

In den letzten vier Jahren (seit September 2011) habe ich das Land bereits unfassbare 7 Mal besucht, dabei schon insgesamt mehr als 14 Monate vor Ort in Nepal verbracht, was aber nicht heißt, dass ich „Nepal-müde“ geworden bin.

Zurzeit überlege ich tatsächlich, ob ich nicht noch im Spätsommer dort sein sollte, nicht weil ich dort sein möchte, vielmehr weil ich aufgrund unserer Projekte, die aktuell nicht die erwarteten Fortschritte machen, dort sein MUSS.

Sabeena verabschiedet mich nach meiner 7. Nepal Reise im April 2015.
Sabeena verabschiedet mich nach meiner 7. Nepal Reise im April 2015. (Foto: Khai-Thai Duong / mein-Nepal.de)

Ich habe momentan keine Sehnsucht nach Nepal. Es ist mehr eine Sehnsucht nach dem Glück, das ich in Nepal noch empfand. Es ist schwer für diejenigen zu definieren, die selbst noch nicht dort bzw. nicht in unseren Projekten waren. Die Menschen, mit denen wir Tag ein Tag aus in unseren Einrichtungen in Nepal zusammenarbeiten, strahlen etwas unfassbar tolles aus. Sei es nun im Waisenhaus, in der Heimschule oder in der Behindertenschule – das Leuchten in den Augen der Kinder; die Freude, wenn wir da sind – all das ist unbezahlbar. Trotz der vielen Aufgaben in Nepal, dem Stress, dem Druck und der Frustration, fühle ich mich niemals unter Druck gesetzt, gestresst und frustriert. Trotz der dortigen Sorgen und dem Mangel fühle ich mich sorgenfrei als fehle mir nichts. Trotz der Unsicherheiten und dem Fremden fühle ich mich stets sicher und geborgen.

Es ist DAS, was ich im Moment suche und was ich aktuell wohl am meisten brauche. Es ist genau DAS, was mich aus meinem Loch ziehen könnte. Ein Erfolgserlebnis. Ein Zeichen. Ein Wink in die richtige Richtung. Etwas, das mir den Glauben an mich zurückgibt. Etwas, das meine Zweifel der letzten Wochen wegspülen könnte…

Weil der Verstand die Emotionen besiegt…

Warum ich dann meine Zukunft nicht in Nepal sehe, wenn es mir dort augenscheinlich so gut geht? Weil es auf lange Sicht rational einfach keinen Sinn macht. Man könnte nun argumentieren, auf lange Sicht sind wir alle tot… Aber bis zum Tod ist es (hoffentlich) noch ein langer Weg, der sicherlich angenehmer zu gehen ist, wenn man ein gesichertes Einkommen hat, wenn Infrastrukturen gegeben sind, und wenn man kaum an einen Mangel leidet. Es ist eben das, was wir tun: Rational entscheiden. Und weil wir rational entscheiden, bilden wir uns auch ein, dass es die richtige Entscheidung ist. Denn wer gibt schon gerne zu, dass sein Verstand nicht richtig funktioniert 😉

Mein-Nepal und ich – Fortsetzung folgt….

Ich würde gerne genaueres schreiben, kann es aber nicht, weil ich selbst nicht weiß, wie es für mich weiter geht. Einerseits müsste ich nach Nepal, andererseits will ich nicht. Einerseits finde ich augenscheinlich nur dort das, was ich im Moment suche/brauche. Andererseits will ich es auch hier haben. Es ist ein Dilemma ….

3 Antworten

  1. Und ob ich weiß was Du meinst. Und auch wie schwer es ist in Worte zu fassen. Klar wäre ich enttäuscht Dich nicht mehr ab und an in Nepal zu sehen. Aber ich verstehe das Du auch an Deine Zukunft denkst. Glück hin oder her, ohne das entsprechende Geld, ist meiner Meinung nach, die Glückseeligkeit auch in Nepal schnell zu Ende. Du bist jung, willst sicher auch mal eine Familie gründen und dies macht sich schwer, wenn du mehrmals pro Jahr das Land wechselst.

    Triff Deine Entscheidung für Dich, habe ich auch so gemacht. Hör auf Dein Bauchgefühl, dann wird das schon alles.
    Ke kharne Khai

    Viele Grüße

    • Dhanyabhad Basundhara 🙂 Werde ich mir zu Herzen nehmen!
      Wir quatschen ja nochmal ausführlicher. Bei dir geht es ja auch schon in einem Monat los!!! 🙂 🙂 🙂
      LG

  2. […] begonnen hatte, so schnell war er für mich auch wieder vorbei. Meine letzten Beiträge „Sehnsucht nach…“ und „Wenn die Zuversicht schwindet…“ ließen einen winzigen Blick in mein […]

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